//Preisträger Christian Doppler Kompositionswettbewerb

Preisträger Christian Doppler Kompositionswettbewerb

Die Universität Mozarteum Salzburg hat nach Beratung und Auswahl durch eine Expertenjury die Christian-Doppler-Kompositionspreise 2017 bekannt gegeben. Sie werden im Rahmen eines Preisträgerkonzertes überreicht. Die Kompositionen werden vom “New Art and Music Ensemble Salzburg” (NAMES) zur Aufführung gebracht.

Die Preisträger des Christian-Doppler-Kompositionspreises 2017 sind:

1. Preis: [ohne Titel] für Sopran, Flöte, Violoncello, Klavier, Schlagwerk
von Kevin Matthias LANG (* 1989 in Wels)
€ 2.500.- (Land Salzburg, Kulturressort LR Dr. Heinrich Schellhorn)

2. Preis: INTERSTELLAR für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Klavier, Elektronik von John HWANG (* 1992 in Seoul).
€ 1.500.- (Stadt Salzburg, kultur.bildung.wissen, Bgm. Dr. Heinz Schaden)

3. Preis: La fine è senza fine für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Klavier von Lorenzo TROIANI (*1989 in Rom)
€ 700.- (Christian Doppler Fonds an der Paris Lodron Universität Salzburg)

Folgende Personen haben als Jurorin/Juror die Preisträger ausgewählt:

Univ. Prof. Achim Bornhöft (Universität Mozarteum Salzburg)
Univ. Prof. Reinhard Febel (Universität Mozarteum Salzburg)
Univ. Prof. Dr. Christian Ofenbauer (Universität Mozarteum Salzburg)
Univ. Prof. Elena Mendoza (Universität der Künste, Berlin)

Schriftliche Stellungnahmen der prämiierten Komponisten, inwieweit die eingereichte Komposition mit den Forschungen von Christian Doppler verbunden ist, auf seine Forschungen eingeht bzw. davon inspiriert ist.

Kevin LANG: [ohne Titel]
Bevor Christian Doppler den Dopplereffekt empirisch mithilfe von Dampflokomotiven – die damaligen waren dafür gerade schnell genug – nachweisen konnte, stellte er entsprechende Spekulationen bereits 1842 in seiner Abhandlung Über das farbige Licht der Doppelsterne und einiger anderer Gestirne des Himmels an. Doppler behauptete darin, dass die Farbänderung bei Sternen auf ihre Entfernungsänderung während der Lichtaussendung zurückgehe – ähnlich der Tonhöhenänderung bei sich bewegenden, klingenden Objekten. Die Farbe, beobachtete er, entstehe dabei im Auge des Betrachters als Manifestierung der Frequenz der Lichtwelle.
Diese Theorie zur Entstehung der von Sternen ausgesendeten Farben im Medium des Äthers war schon nach dem Kenntnisstand der damaligen Astronomie nicht haltbar. Gleichwohl haftet ihr ein attraktiver Gedanke an, der mich beim Komponieren des vorliegenden Werkes angeleitet hat: Das Drehen eines farblich assoziierten musikalischen Parameters, abhängig von unterschiedlichen Geschwindigkeiten. So wie die Frequenz des Lichtes dessen Farbe vorgibt, so gibt die Frequenz der Wiederholung musikalischer Elemente in meiner vorliegenden Komposition den unterschiedlichen formalen Segmenten deren individuellen Zeitfluss an. Dabei habe ich das Farbspektrum in meinem Werk als stufenlose Skala im Feld zwischen kleinteiligen, Fülle konstituierenden Elementen und großen Feldern angelegt. Die zeitliche Anlage dieser kleinen und großen Felder steht dabei für die Wellenlänge, die dem musikalischen Zeitfluss seine Farbe verleiht: Eine hohe Anzahl vieler asynchroner Elemente steht dabei Weiß (als jener Farbe, welche als Summe aller Einzelfarben entsteht), das Gegenteil davon der Farbe Schwarz am nächsten. Ich habe versucht, möglichst alle Schattierungen an möglichen Frequenzen abzubilden, wobei ich dabei zuvorderst stets nach musikalischen Gesichtspunkten vorgegangen bin.
Mein Ziel war es, der Hypothese Dopplers folgend, das Drehen der Farben – in meiner erwähnten musikalischen Übersetzung – bei unterschiedlichen Frequenzverhältnissen des Timings der musikalischen Gestalten darzustellen. Es handelt sich folglich im eine Wellenbewegung musikalischer Gestalten und bei meinem Stück somit um einen mehr poetisch als physikalischkonzeptuell inspirierten Versuch, den Gedanken Dopplers – dem, so sehr er wissenschaftlich zum Scheitern verurteilt war, ja auch etwas poetisches anhaftet – auf künstlerischer Ebene weiter zu denken.

John HWANG: INTERSTELLAR
Dieses Stück wurde inspiriert vom Doppler-Effekt und den damit zusammenhängenden verschiedenen wissenschaftlichen Phänomenen – es wurde dabei vor allem stark vom Doppler-Effekt des Lichts beeinflusst.
Die doppelte Natur des Lichts, gleichzeitig Teilchen und Wellen zu sein, sowie der Doppler-Effekt, der der Rot- und Blauverschiebung gleicht, und die Zeit, die in enger Verbindung mit dem Licht steht – das sind verschiedene Phänomene, die mit dem Doppler-Effekt zu tun haben, und die mich als Thema äußerst interessiert haben. Durch solche wissenschaftliche Phänomene konnte ich eine Idee von der Gesamtform des Stücks, seines Rhythmus und seiner Harmonie bekommen.
So wie das Licht ein Spektrum aufweist, das in seiner Breite für unser Auge unsichtbar ist, gibt es – für das menschliche Ohr unhörbar – viele verschiedene Obertöne in einem Klang. Ausgehend von diesen Obertönen wurde die Harmonie für das gesamte Stück konzipiert. Vor allem die Komposition des Einleitungsteils wurde von der Rotverschiebung inspiriert. Dabei wird die E-Musik als eine Art Licht verstanden, wobei die Instrumente die Bewegung der mikroskopischen Welt innerhalb dieses Lichts zum Ausdruck bringen.
Die Obertonreihe um das Kontra G wurde zur Bildung von 5 Hauptharmonien eingesetzt. Diese Harmonien verlaufen vom 30. Ton des Haupttons G in immer tiefere Lagen. Das korrespondiert mit dem Phänomen der Rotverschiebung, bei der die Wellen vom elektromagnetischen Spektrum (Licht) länger werden bzw. die Frequenz niedriger wird. Die Inspiration für die Idee, ein Intervall auf mehr als zwei verschiedene Methoden zu spielen, lässt sich auf die doppelte Natur des Lichts zurückführen.
Die wissenschaftliche Theorie von der Lichtgeschwindigkeit, die gleich bleibend ist, während die Zeit nicht absolut ist, dient als wichtige Idee für die Rhythmusform dieses Stücks: Ursprünglich sind die Rhythmen zwar gleich lang, aber hier kommt die Spielweise, ihre Längen durch die verschiedenen Notengruppen zu verändern, zum Tragen. Diese vielseitigen musikalischen Mittel durchlaufen den Mittelteil, wobei sich Entwicklung und Kompensation gegenseitig wiederholen und variieren. Sie bilden gleichzeitig einen Kontrast und eine Harmonie. Vor allem im Mittelteil entwickelt sich das Stück durch die Verwendung der Blauverschiebung als Hauptmotiv, bei der die Wellen sich verkürzen und die Frequenz sich erhöht.
Der Schlussteil ist eine musikalische Fantasie über den Bereich des Lichtspektrums, den wir mit dem bloßen Auge nicht sehen können. Er verläuft hauptsächlich durch den besonderen Einsatz des Donnerblechs. Die anderen Instrumente modulieren die von den Obertonreihen abgeleiteten Harmonien und erweitern das Spektrum allmählich. Auch hier kommt das Ganze durch verschiedene Spielarten zum Ausdruck.

Lorenzo TROIANI: La fine è senza fine
La fine è senza fine und der Doppler-Effekt
In meiner Musik und besonders in La fine è senza fine für Quintet haben Bewegung und der Doppler-Effekt eine ganz wichtige Rolle. Die Idee, dass ein Klang nie stabil ist, ist zentral in der kompositorischen Entwicklung des Stückes. La Fine è senza fine sucht nach Bewegung und Zirkulation des Klangs im Raum. Beim Doppler-Effekt ist auch ein allmählicher Prozess wichtig. Alles ist graduell und eine kontinuierliche Bewegung ermöglicht die Umwandlung von Klang und seiner Bewegung im Raum. Die Glissandi unterstützen diesen allmählichen Transformationsprozess.

2018-02-05T12:52:13+00:00